
Ich stelle Gläser mit farbigem, gesalzenem Gemüse an der Wand unserer neuen Werkstatt auf. Ich fotografiere diese Bilder wie Stillleben. Aber diese Natur ist nicht tot. Sie ist nicht einmal still. Hin und wieder erklingt ein «Pssst» oder «Tistist» – Luft, die aus den Gläsern entweicht, während es darin kräftig gärt.
Eine Mikrowelt aus Bakterien feiert ein Fest. Wenn die Bedingungen stimmen, verzehren ihre Bewohner den Zucker im Gemüse und wandeln ihn in Milchsäure um. Meine Aufgabe ist es, für diese Bedingungen zu sorgen. Ich wache über die Bahnen dieser Sterne: Salz, Zucker, Sauerstoff und Temperatur.
Wie eine Dirigentin gebe ich den Takt an, doch allmächtig bin ich nicht. Sobald das Glas geschlossen ist, spielt auch das alchemistische Geheimnis der Verwandlung seine Rolle.

Vor dieser Wand aus lebendigen Farben erfüllt mich eine stille Freude und schenkt mir Energie. Die schlichte Schönheit des Gemüses hinter Glas trägt mich fort. Ich lache über meine eigene Begeisterung. Diese Arbeit erinnert mich daran, dass ich ganz einfach Mensch bin: mit den Füssen auf der Erde und dem Kopf in den Wolken.
– M
